Der liberale Ironiker als Bürgertypus der Moderne

Der liberale Ironiker als Bürgertypus der Moderne

Jede Gesellschaft und ihre Bürger sind geprägt durch ihre Zeit, in der sie leben. Die heutige Zeit wird als Moderne betitelt und in der politischen Philosophie spricht man bereits von der Postmoderne. Welcher Bürgertypus jedoch spielt laut Politischer Philosophie für die heutige Moderne die entscheidende Rolle? Die Moderne ist insbesondere durch viele vorangegangene geschichtliche Entwicklungen geprägt worden, wozu unter anderem die folgenden Prozesse zu zählen sind: die Säkularisierung, der Aufbau des Nationalstaates, die kapitalistische Wirtschaftsweise, die Bildungsexpansion und die Demokratie mit den Werten Freiheit, Gleichheit und Souveränität. Insbesondere Fortschritt, Wohlstand, Effizienz, Leistung usw. spielen in der Moderne eine entscheidende Rolle. Heutzutage handelt es sich bei der Zeit um das knappste Gut. Desweiteren sind viele vielschichtige und verschiedenartige Gesellschaften entstanden. Aber welche Rolle spielt nun hierbei laut Politischer Philosophie der moderne Bürger? Wie kann der die Komplexität über kurz oder lang bewältigen? Welche politische Rolle hat er zu erfüllen?

Wie engagierte ist laut Politischer Philosophie der moderne Büger? Bürger und Bürgerinnen aus der Bundesrepublik Deutschland engagieren sich bespielsweise kaum dauerhaft für Angelegenheiten des Gemeinwesens. Nur die Wenigsten zählen zu denjenigen, welche sich dauerhaft gesellschaftlich, politisch oder ehrenamtlich engagieren. In den meisten westlichen Demokratien nimmt der Großteil der Bürger eher die Zuschauerrolle ein, anstatt aktiv ins politische oder soziale Geschehen einzugreifen. Laut Politischer Philosophie entsteht der Wille zur politischen Partizipation im sogenannten Prozess der Primär- und Sekundärsozialisation. Laut den beiden Autoren Almond und Verba, welche in ihrer klassischen Civic-Culture-Studie, die zu einem Teilbereich der Politischen Philosophie gehört, nachweisen, dass das politische Selbstbewusstsein von Menschen sowie ihre Bereitschaft zum sozialen oder politischen Engagement aus häufigen politischen Diskussionen und einem partizipativen Entscheidungsstil des Elternhaus sowie der Schule resultieren. Demnach wird jedem bereits in einem frühen Lebensabschnitt und durch qualifizierte Bildung nützliche soziale Kompetenzen für das politische Leben vermittelt. Außerdem spielt nach Erkenntnissen der Politischen Philosophie insbesondern auch die Integration in soziale Netzwerke eine entscheidende Rolle, indem die für politische Partizipation bedeutsame Fähigkeit zum kooperativen Handeln gesteigert und die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, dass man mit politisch aktiven Menschen in Verbindung tritt und auf diese Weise zur politischen Beteiligung mobilisiert wird.

Es ist augenscheinlich, dass die Auswirkung bzw. die tatsächliche Tragweite von getroffenen politischen Entscheidungen nie eindeutig vorausgesagt werden kann. Es wird immer unzählige alternative Lösungsansätze für bestehende Probleme geben. Aber wer kann genau bestimmen, welche die einzig richtige Lösung Variante ist? Insbesondere die Politiker haben den Auftrag diese Ansätze zu finden. Denn laut Principal-Agent-Ansatz aus der Politischen Philosophie wird die Verantwortung von Auftraggebern, dem Volk, für einen festgelegten Zeitraum auf Repräsentanten, die Abgeordneten im Parlament, mittels Wahlen übertragen. Demnach sollen die gewählten Repräsentanten nach dem Willen und in Vertretung des Volkes über politische Entscheidungen debattieren, darüber abstimmen und somit für die Willensbildung des Gemeinwesens beitragen.

Insbesondere in den modernen Gesellschaften ist Komplexität ein herausragendes Merkmal, somit haben auch die getroffenen politischen Entscheidungen stets gleichzeitig auch Folgen für andere Bereiche. Denn Komplexität ist mit Interdependenz gleichzusetzen. Wenn zum Beispiels das Parlament beschließt die Mehrwertsteuer zu erhöhen, um mit den Einnahmen die Lohnebenkosten zu senken und den Solidaritätszuschlag abzuschaffen, können sich daraus negative Auswirkungen für die Binnenkonjunktur ergeben. Denn die Volkswirtschaft wird mit großer Wahrscheinkichkeit mit Preissteigerungen reagieren, welche wiederum zu höheren Preisen für die Konsumenten führen. Auf diese Weise werden Preisstabilität und Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig geschwächt. Kurzum der Markt wird gestört, so dass sich ebenfalls die deutschen Wirtschaftsbeziehungen zu internationalen Partner verschlechtern können. Letztendlich werden in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit in immer mehr Bereichen noch mehr Menschen von den Ergebnissen politischer Entscheidungen und den damit verbundenen Verwaltungspraktiken in ihrem Alltag betroffen sein, weil politische Entscheidungen gesamtgesellschaftlich verbindlich sind. All diese Komplexität, die schon voraussetzt, dass in jeder politischen Entscheidung positive wie negative Folgen für die Bürger innewohnt, machen es schwerer für den einzelnen Bürger damit umzugehen. Wie soll er reagieren? Laut Politischer Philosophie ist Politikverdrossenheit eine Möglichkeit, welche aber die falsche Reaktion darstellt. Denn nach Wissen der Politischen Philosophie ist der normative Anspruch der Demokratie die Herrschaft durch das Volk und für das Volk. Sobald immer mehr Bürger nicht mehr wählen gehen, geben sie auch ihre Verantwortung als Souverän auf. Damit nachkommende Generationen erneut ihr Interesse für Politik entwicklen können, bedarf es einer neuen und besseren politischen Bildung und Wertevermittlung. Jeder Bürger sollte heutzutage in der Lage sein, sich wieder als Teil der komplexen politischen Gesellschaft zu empfinden und teilhaben zu wollen.

Der liberale Ironiker, ein Bürgertypus aus der Politischen Philosophie hat bereits erkannt, dass es mehrere Antworten auf ein- und dieselbe Frage geben kann. Er nimmt nichts kritiklos hin und glaubt an die Macht und Möglichkeit zur Veränderung. Er hat verstanden, dass die Zeit nicht still steht. Und er ist sich bewusst, dass das Leben, insbesondere das politische Leben Tag für Tag weitergeht und sich neu definieren muss. Er reagiert mit Toleranz auf andere Interessen innerhalb der pluralistischen und komplexen Gesellschaft. Denn er weiß, dass ihm etwas anderes gar nicht übrig bleibt. Akzeptanz, Kompromissbereitschaft und Hoffnung sind Werte, die für den liberalen Ironiker charakteristisch sind. Dieser Bürgertypus ist dazu in der Lage, die Offenheit einer sich ständig weiterentwickelnden Gesellschaft mit allen positiv wie negativen Einflüssen zu ertragen und kann sich damit auch arrangieren. Vor allem begreift der liberale Ironiker, was Kontingenz bedeutet und daher engagiert er sich in einem für ihn angemessenen poltischen Rahmen. Laut Politischer Philosophie stellz der liberale Ironiker den idealen Bürgertypus für die mordernen Gesellschaften dar.


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