Origami - Die Kunst der Papierfaltung

Die Entwicklung der japanischen Kultur zeigt, dass dieses Volk von jeher eine ausgesprochene Neigung und Begabung hat, ästhetische Systeme zu bilden, sich in die Eigenart und Funktion eines jeden Dinges zu versenken und form- und stoffgerechte Beziehungen herzustellen. Vorbildlich tritt dies in der japanischen Kunst des Teetrinkens und in Ikebana, der Kunst des Blumensteckens, in Erscheinung. Aber auch Origami, die Kunst der Papierfaltung, ist hierfür ein Beispiel. Ein Rückblick auf die Entstehung dieser "kleinen" Kunst beweist, dass sie ebenso traditionsgebunden und überliefert ist wie die beide anderen. Heute kann man sie trotz mancher Abwandlung die volkstümlichste nennen.

Etwa um das Jahr 1000 schrieb in Japan die Hofdame Murasaki Shikibu das literarische Meisterwerk "Die Geschichte des Prinzen Genji." Darin werden immer wieder die mannigfaltigen und köstlichen Papiersorten erwähnt. In dem Buch findet sich zum ersten Mal ein Hinweis auf Origami, als das Papier und dessen Faltung beschrieben und die Wirkung auf den Prinzen dargestellt wird. Nicht nur der Inhalt eines Briefes und die kunstvolle Linienführung der Pinselschrift, sondern auch die Wahl des Papiers und die dem Inhalt entsprechende Faltung waren mitbestimmend für das Ansehen des Absenders und von Einfluss auf seine Stellung, sei es am Hofe des Kaisers oder in der Gunst einer Dame.

Obwohl Murasaki Shikibu eine durchaus weltliche Anwendung von Origami schildert - es handelte sich bei ihr in erster Linie um Liebesbriefe und Glückwünsche -, geht diese Kunst wahrscheinlich auf religiöse Ursprünge zurück. So ist bekannt, dass die sorgfältig gehüteten Vorlagen und komplizierten Regeln für das Orikata (wörtlich: Figuren falten) in der Priesterkaste der eigenständigen japanischen Shinto-Religion von Generation zu Generation vererbt wurden. Die danach angefertigten kunstvollen Papiermuster und -bänder waren und sind auch heute noch bei religiösen Zeremonien und kultischen Handlungen von symbolhafter Bedeutung.

Je mehr man durch Literatur-, Kunst- und Geschichtsstudien mit der Geistes- und Gedankenwelt der Japaner vertraut wird, desto klarer wird, dass die meisten der so spielerisch erscheinenden Origami-Figuren Gedanken, Handlungen und Vorstellungen versinnbildlichen, sei es in Anlehnung an ein klassisches Gedicht auf Grund von Wortsynonymen oder mit Bezug auf mythische Begriffe. Die gleichen Figuren finden sich auf japanischen Pinselzeichnungen und auf den von aller Welt bewunderten japanischen Farbholzschnitten.

In den letzten Jahren ist Origami weit über Japans Grenzen hinaus bekannt geworden und hat in vielen Ländern Freunde und Liebhaber gefunden. Verwundert mag man sich fragen, was diese alte, von traditionellen und mystischen Vorstellungen der uns im Grunde wesensfremden östlichen Welt geformte Volkskunst einem modernen westlichen Menschen bieten kann. Dem flüchtigen Betrachter erscheint Origami als eine hübsche Spielerei für geschickte Finger, eine nette Beschäftigung für müßige Stunden zu sein. Aber schon die ersten praktischen Versuche zeigen, dass dabei eine ganz andere, aber wesentliche Eigenart dieser Kunst übersehen wurde. Erinnern schon die Arbeitsskizzen an technische Zeichnungen, so lehrt die Praxis, dass bei Origami strenge geometrische Gesetze gelten und jede Figur auf geometrischen Grundformen basiert.

Diese kleine Kunst des Ostens bietet in überraschender Weise gestalterische und schöpferische Möglichkeiten, aber aus einer technisch mathematischen Grundkonzeption heraus. Zudem fordert sie exaktes Handeln und logisches Denken. Damit kommt sie uns Menschen des technischen Zeitalters entgegen. Dass mag ein Grund dafür sein, dass Origami so schnell Anklang im Westen gefunden hat.


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