Der Buchdruck

Die wohl bedeutendste technische Revolution in der Geschichte der vergangenen 1000 Jahre war wohl weniger die Erfindung des Autos oder des Internets, sondern sie wurde von einem fliegenden Händler, der auf dem Reichstag zu Frankfurt im Herbst 1454 gedruckte, aber noch ungebundenen Bibeln zum Verkauf anbot, angekündigt. Dieser Mann war möglicherweise der Buchdrucker selbst: der Mainzer Goldschmied Johannes Gensfleisch zur Lade, besser bekannt als Gutenberg.

Die Geschichte des Buchdrucks beginnt in Europa zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Lange Zeit hatten nur kleine Eliten, hauptsächlich Geistliche, zu lesen und schreiben vermocht. Man kann zurecht sagen, dass Europa zu dieser Zeit ein Kontinent von Analphabeten war. Doch im 15. Jahrhundert verbreitete sich die Schriftkultur langsam auch außerhalb der Kirche und die Nachfrage an Büchern stieg. Die damaligen Bände waren zumeist handgeschriebene Wunderwerke: aufwendig herzustellen und sehr langsam zu vervielfältigen. Es ist der Verdienst Gutenberg, der dies für immer ändern sollte.

Die Arbeit des Kopisten, das sind Schreiber, die einen Text, der von einem Autor verfasst wurde, abschreiben bzw. kopieren, zu erleichtern oder gar überflüssig zu machen, hatte man schon lange versucht: In China waren schon im 7. Jahrhundert Holzblöcke so geschnitzt worden, dass Schriftzeichen wie Stempel herausragten. Der chinesische Drucker Bi Sheng arbeitete um 1040 bereits mit keramischen Stemplen, der ersten "beweglichen Lettern", die für den Druck der sehr zeichenreichen chinesischen Sprache aber zu unpraktisch waren. In Korea wurde im 15. Jahrhundert - knapp vor der Erfindung Gutenbergs - der Druck mit beweglichen Metalletern eingeführt, für den sogar zeitweise eine eigene, stark vereinfachte Schriftsprache verwendet wurde.

In Europa unterdessen vollzog sich die Geschichte etwas anders: Hier entstanden zu dieser Zeit die ersten Holzdrucke. Ähnlich wie in China musste hierbei eine große Holzfläche aufwendig zurechtgeschnitzt und mit Druckfarbe bestrichen werden, bevor das Papier aufgelegt wurde.

Gutenbergs technische Revolution gelang durch zwei von ihm genutzte Komponenten: beweglichen Lettern aus Metallguss und einer leistungsfähigen Druckerpresse. Für jeden Buchstaben, für jedes Satz- und Sonderzeichen entwarf er Formen, mit denen sich recht schnell viele Letter des Alphabets aus einer Mischung von Blei, Zinn und anderen Materialien herstellen ließen. Mit diesen konnten dann im Druckstock, beliebige Texte gesetzt werden. Das Papier wurde dabei in einer hölzernen Presse bedruckt.

Der Mainzer muss jahrelang an seiner Erfindung getüfftelt haben. Bereits 1450 hat er ein erstes Gedicht gedruckt, das aber nur noch in Fragmenten erhalten ist. Seine berühmte Bibel, die in die Geschichte eingehen sollte, entstand zwischen 1452 und 1454. Die Auflage lag wahrschenlich bei 180 Exemplaren, von denen heute noch 48 exisitieren.

Gutenbergs Erfindung verbreitete sich in atemberaubender Geschwindigkeit. Bereits um 1500 waren wahrscheinlich rund 40.000 Buchtitel mit einer Gesamtauflage von acht Millionen Exemplaren gedruckt worden. Die Druckerpresse beschleunigte die Ausbreitung der Renaissance und rettete vielleicht den Protestantismus vor der Bedeutungslosigkeit; ohne sie wären die industriellen und politischen Revolutionen späterer Jahrhunderte, die unsere heutige Geschichte im Wesentlichen prägen, kaum denkbar. Gutenberg selbst profitierte jedoch nicht von seiner Erfindung. Sie ruinierte ihn vielmehr. Einer seiner Gläubiger übernahm schon 1455 einen größten Teil seiner Werkstatt.


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